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Schlaf und Gewicht: Wie Schlafmangel das Abnehmen bremst

Wer zu wenig schläft, isst im Schnitt mehr: Nach verkürzten Nächten waren es in einer Auswertung von Experimenten rund 385 kcal mehr am Tag. Erwachsene brauchen 7 bis 9 Stunden Schlaf (National Sleep Foundation). Genug Schlaf ersetzt kein Kaloriendefizit, macht es aber leichter.

  • Beealth-Redaktion
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  • 7 Min. Lesezeit
  • 10 Quellen

Wie hängen Schlaf und Gewicht zusammen?

Schlaf wirkt auf beide Seiten der Energiebilanz. Wer müde ist, hat mehr Appetit, greift eher zu energiereichen Snacks und bewegt sich weniger. Gleichzeitig bleiben mehr wache Stunden, in denen gegessen werden kann. Große Beobachtungsstudien zeigen deshalb seit Jahren einen Zusammenhang: In einer Auswertung von Cappuccio und Kollegen (2008) war die Chance für Adipositas bei Kindern mit kurzem Schlaf fast doppelt so hoch (Odds Ratio 1,89), bei Erwachsenen gut anderthalbmal so hoch (1,55). Solche Studien zeigen einen Zusammenhang, aber nicht, was Ursache und was Folge ist.

Aussagekräftiger sind Experimente, in denen Forschende den Schlaf gezielt verkürzen oder verlängern. Sie zeigen ziemlich übereinstimmend: Zu wenig Schlaf macht hungrig – und genug Schlaf macht es leichter, weniger zu essen.

Was Experimente über Schlaf und Essen zeigen
StudieWas untersucht wurdeErgebnis
Spiegel und Kollegen, 200412 junge Männer: zwei Nächte mit 4 statt 10 Stunden im Bett24 % mehr Hunger, 18 % weniger Leptin, 28 % mehr Ghrelin
Nedeltcheva und Kollegen, 201010 Erwachsene mit Übergewicht: 14 Tage Kaloriendefizit mit 8,5 oder 5,5 Stunden Schlafgelegenheitähnlicher Gewichtsverlust, aber bei kurzem Schlaf 55 % weniger Fett und 60 % mehr fettfreie Masse
Al Khatib und Kollegen, 2017Auswertung von Experimenten mit verkürztem Schlafim Schnitt 385 kcal mehr gegessen pro Tag, kein höherer Verbrauch
Tasali und Kollegen, 202280 Erwachsene mit Übergewicht, die meist unter 6,5 Stunden schliefen: Schlafberatungrund 1,2 Stunden mehr Schlaf und etwa 270 kcal weniger gegessen pro Tag

Quelle: Vollständige Angaben unter Quellen.

Warum Schlafmangel hungrig macht

Zwei Botenstoffe spielen eine Hauptrolle: Leptin meldet dem Gehirn „genug Energie da“, Ghrelin meldet Hunger. Nach zwei kurzen Nächten mit vier Stunden im Bett war bei jungen Männern das Leptin um 18 % gesunken und das Ghrelin um 28 % gestiegen. Der Hunger nahm um 24 % zu – besonders auf Süßes, salzige Snacks und Stärkehaltiges (Spiegel und Kollegen, 2004).

Dazu kommt das Belohnungssystem: Müde Menschen reagieren stärker auf verlockendes Essen, und die Selbstkontrolle ist am Abend ohnehin schwächer. Auch das Stresshormon Cortisol kann nach schlechten Nächten erhöht sein. Das ist keine Willensschwäche, sondern Biologie – und ein guter Grund, Schlaf beim Abnehmen genauso ernst zu nehmen wie Essen und Bewegung.

Lange geschlafen und trotzdem müde?

Lautes Schnarchen mit Atempausen, Kopfschmerzen am Morgen und große Tagesmüdigkeit können auf eine Schlafapnoe hindeuten. Sie ist bei Übergewicht häufig, stört den Schlaf erheblich und lässt sich gut behandeln – sprich deine Hausärztin oder deinen Hausarzt darauf an. Abnehmen kann eine Schlafapnoe deutlich bessern.

Schlaf, Fett und Muskeln: was eine kleine Studie zeigt

Besonders anschaulich ist ein Experiment von Nedeltcheva und Kollegen (2010): Zehn Erwachsene mit Übergewicht aßen zweimal 14 Tage lang weniger, als sie verbrauchten – einmal mit 8,5 Stunden Zeit zum Schlafen, einmal mit 5,5 Stunden. Auf der Waage sah es beide Male ähnlich aus. Mit wenig Schlaf bestand der Verlust aber nur zu einem kleinen Teil aus Fett:

Was beim Abnehmen verloren ging: viel und wenig Schlaf
Was beim Abnehmen verloren ging: viel und wenig Schlaf8,5 Std. Schlafgelegenheit: Fett 1,4 kg, fettfreie Masse 1,5 kg; 5,5 Std. Schlafgelegenheit: Fett 0,6 kg, fettfreie Masse 2,4 kg.8,5 Std. Schlafgelegenheit2,9 kg5,5 Std. Schlafgelegenheit3,0 kg
  • Fett
  • fettfreie Masse

Nedeltcheva und Kollegen (2010): 10 Erwachsene mit Übergewicht, je 14 Tage Kaloriendefizit. Fettfreie Masse = vor allem Muskeln und Wasser. Kleine Studie – die Werte zeigen eine Richtung, keine Vorhersage für dich.

Mit 5,5 Stunden Schlafgelegenheit verloren die Teilnehmenden 55 % weniger Fett und 60 % mehr fettfreie Masse, zu der vor allem Muskeln und Wasser gehören. Hungrig waren sie außerdem. Die Studie ist klein und kurz, passt aber zu dem, was über Schlaf und Regeneration bekannt ist: Wer abnehmen und dabei Muskeln behalten möchte, braucht neben Eiweiß und Krafttraining auch genug Schlaf.

Umgekehrt wirkt mehr Schlaf: In einer Studie von Tasali und Kollegen (2022) bekamen 80 Erwachsene mit Übergewicht, die meist weniger als 6,5 Stunden schliefen, eine persönliche Schlafberatung. Sie schliefen danach rund 1,2 Stunden länger und aßen im Alltag etwa 270 kcal weniger am Tag – ohne Diätvorgaben.

Wie viel Schlaf brauchst du?

Die National Sleep Foundation empfiehlt Erwachsenen von 18 bis 64 Jahren 7 bis 9 Stunden Schlaf, ab 65 Jahren 7 bis 8 Stunden. Die amerikanische Schlafmedizin-Gesellschaft (AASM) nennt für Erwachsene mindestens 7 Stunden pro Nacht. Kinder und Jugendliche brauchen deutlich mehr:

Empfohlene Schlafdauer nach Alter
AlterSchlaf je 24 Stundendavon Mittagsschlaf (Annahme des Rechners)Empfehlung
Kleinkinder (1 und 2 Jahre)11 bis 14 Stundenetwa 2 StundenAASM 2016
Kindergartenkinder (3 bis 5 Jahre)10 bis 13 Stundenetwa 1 StundeAASM 2016
Schulkinder (6 bis 12 Jahre)9 bis 12 Stunden–AASM 2016
Jugendliche (13 bis 17 Jahre)8 bis 10 Stunden–AASM 2016
Erwachsene (18 bis 64 Jahre)7 bis 9 Stunden–NSF 2015
Ältere (ab 65 Jahren)7 bis 8 Stunden–NSF 2015

Kinder und Jugendliche: American Academy of Sleep Medicine (AASM 2016), bei Klein- und Kindergartenkindern einschließlich Mittagsschlaf. Erwachsene: National Sleep Foundation (NSF 2015). Die Dauer des Mittagsschlafs nennen beide nicht – sie ist eine typische Annahme, mit der der Schlafbedarf-Rechner von Beealth die Bettzeit plant; viele Kinder schlafen mittags kürzer oder länger.

Gemeint ist echte Schlafzeit, nicht die Zeit im Bett – plane fürs Einschlafen eine Viertelstunde dazu. Wann du bei deiner Weckzeit ins Bett gehen solltest, rechnet der Schlafbedarf-Rechner aus. Hinweise auf zu wenig Schlaf: Du brauchst den Wecker jeden Morgen dringend, schläfst am Wochenende viel länger oder wirst nachmittags im Sitzen schnell müde (Schlaf).

So schläfst du besser: sieben Hebel

  1. Feste Aufstehzeit: Steh möglichst jeden Tag zur gleichen Zeit auf, auch am Wochenende. Das stellt die innere Uhr zuverlässiger als jede Regel fürs Zubettgehen.
  2. Tageslicht am Morgen: Eine Viertelstunde draußen – am besten mit Bewegung – macht wach und hilft abends beim Einschlafen.
  3. Bewegung am Tag: Regelmäßige Bewegung verbessert den Schlaf. Sehr intensives Training direkt vor dem Schlafengehen stört dagegen manche.
  4. Koffein mit Abstand: Kaffee, schwarzer und grüner Tee, Cola und Energydrinks wirken viele Stunden. Trink das letzte koffeinhaltige Getränk am frühen Nachmittag.
  5. Kein Alkohol als Schlummertrunk: Er macht zwar müde, stört aber die zweite Nachthälfte – und bringt nebenbei Kalorien mit.
  6. Leichtes Abendessen: Eine sehr große, fettreiche Mahlzeit kurz vor dem Schlafen liegt schwer im Magen. Iss lieber zwei bis drei Stunden vorher etwas Sattmachendes mit Gemüse und Eiweiß.
  7. Ruhiger Abend: Licht dimmen, Bildschirme eine halbe bis eine Stunde vor dem Schlafen weglegen, das Schlafzimmer dunkel, ruhig und eher kühl halten.

Fang nicht mit allen sieben gleichzeitig an. Such dir einen Hebel aus, der dir leichtfällt, und bleib zwei Wochen dabei. Kleine, feste Gewohnheiten tragen weiter als ein großer Vorsatz (Gewohnheit).

Wenn guter Schlaf gerade nicht drin ist

Schichtarbeit, ein Baby, die Pflege von Angehörigen oder eine Prüfungsphase: Manchmal lässt sich am Schlaf kaum etwas ändern. Dann hilft es, freundlich mit dir zu sein und die Erwartungen anzupassen. Plane Mahlzeiten vor, damit du nicht müde und hungrig entscheiden musst (Meal-Prep), halte sattmachende Snacks bereit und nutze kurze Ruhepausen. Ein langsameres Tempo auf der Waage ist in solchen Phasen völlig in Ordnung.

Verlorenen Schlaf am Wochenende nachzuholen, lindert die Müdigkeit, gleicht die Folgen für den Stoffwechsel aber nicht vollständig aus (Depner und Kollegen, 2019). Und wenn du über Wochen schlecht schläfst, nachts lange wach liegst oder tagsüber stark erschöpft bist, sprich mit deiner Hausarztpraxis. Ein- und Durchschlafstörungen sind gut behandelbar – als erste Wahl empfehlen Fachleute eine kognitive Verhaltenstherapie bei Schlaflosigkeit, nicht dauerhaft Schlaftabletten.

Das kannst du heute tun

  1. Deinen Schlafbedarf ausrechnen

    Gib Alter und Weckzeit ein – der Rechner zeigt, wie viele Stunden Schlaf passen und wann du dafür ins Bett gehen solltest.

    Schlafbedarf berechnen
  2. Ein leichtes Abendessen aussuchen

    Ein sattmachendes Gericht mit Gemüse und Eiweiß, zwei bis drei Stunden vor dem Schlafen – such dir eins für heute aus.

    Rezepte fürs Abendessen
  3. Tagsüber in Bewegung kommen

    Schon ein zügiger Spaziergang am Tag hilft beim Einschlafen. Wie viel Bewegung du in der Woche schaffst, zeigt der Bewegungs-Rechner.

    Bewegungsziel prüfen

Häufige Fragen

Macht Schlafmangel dick?

Nicht direkt, aber er macht es leichter zuzunehmen: Nach verkürzten Nächten essen Menschen in Experimenten im Schnitt rund 385 kcal mehr am Tag, ohne mehr zu verbrauchen. Auf Dauer kann das Gewicht so steigen. Beobachtungsstudien finden bei Menschen, die kurz schlafen, häufiger Adipositas.

Wie viele Stunden Schlaf brauche ich zum Abnehmen?

Eine eigene Abnehm-Schlafdauer gibt es nicht. Für Erwachsene gelten 7 bis 9 Stunden pro Nacht als gesund, ab 65 Jahren 7 bis 8 Stunden. Wer regelmäßig weniger als 7 Stunden schläft, hat es beim Abnehmen oft schwerer: mehr Hunger und weniger Energie für Bewegung. In einer kleinen Studie ging bei wenig Schlaf außerdem weniger Fett und mehr fettfreie Masse verloren.

Nimmt man im Schlaf ab?

Ein wenig: Über Nacht verlierst du vor allem Wasser über Atem und Haut, deshalb ist das Gewicht morgens niedriger. Der Grundumsatz läuft auch im Schlaf weiter. Fett verlierst du aber nur über ein Defizit über viele Tage – Schlaf hilft dabei, ersetzt es aber nicht.

Ist spätes Essen schlecht für den Schlaf?

Eine große, fettreiche Mahlzeit direkt vor dem Schlafen kann den Schlaf stören, vor allem bei Sodbrennen. Ein leichtes Abendessen zwei bis drei Stunden vorher ist für die meisten angenehmer. Für das Gewicht zählt vor allem, wie viel du über den ganzen Tag isst, nicht die Uhrzeit allein.

Kann ich verlorenen Schlaf am Wochenende nachholen?

Nur zum Teil. Ausschlafen lindert die Müdigkeit, gleicht die Folgen für Appetit und Stoffwechsel in Studien aber nicht vollständig aus und kann den Rhythmus verschieben. Besser ist ein gleichmäßiger Schlaf: unter der Woche etwas früher ins Bett, am Wochenende höchstens eine Stunde länger schlafen.

Quellen

  1. Hirshkowitz M, Whiton K, Albert SM et al. (2015): National Sleep Foundation's sleep time duration recommendations: methodology and results summary. Sleep Health 1(1): 40–43.
  2. Watson NF, Badr MS, Belenky G et al. (2015): Recommended Amount of Sleep for a Healthy Adult: A Joint Consensus Statement of the American Academy of Sleep Medicine and Sleep Research Society. Sleep 38(6): 843–844.
  3. Paruthi S, Brooks LJ, D’Ambrosio C et al. (2016): Recommended Amount of Sleep for Pediatric Populations: A Consensus Statement of the American Academy of Sleep Medicine. Journal of Clinical Sleep Medicine 12(6): 785–786.
  4. Spiegel K, Tasali E, Penev P, Van Cauter E (2004): Sleep curtailment in healthy young men is associated with decreased leptin levels, elevated ghrelin levels, and increased hunger and appetite. Annals of Internal Medicine 141(11): 846–850.
  5. Nedeltcheva AV, Kilkus JM, Imperial J, Schoeller DA, Penev PD (2010): Insufficient sleep undermines dietary efforts to reduce adiposity. Annals of Internal Medicine 153(7): 435–441. Zur Quelle
  6. Al Khatib HK, Harding SV, Darzi J, Pot GK (2017): The effects of partial sleep deprivation on energy balance: a systematic review and meta-analysis. European Journal of Clinical Nutrition 71(5): 614–624. Zur Quelle
  7. Tasali E, Wroblewski K, Kahn E, Kilkus J, Schoeller DA (2022): Effect of Sleep Extension on Objectively Assessed Energy Intake Among Adults With Overweight in Real-life Settings: A Randomized Clinical Trial. JAMA Internal Medicine 182(4): 365–374. Zur Quelle
  8. Cappuccio FP, Taggart FM, Kandala NB et al. (2008): Meta-analysis of short sleep duration and obesity in children and adults. Sleep 31(5): 619–626. Zur Quelle
  9. Depner CM, Melanson EL, Eckel RH et al. (2019): Ad libitum Weekend Recovery Sleep Fails to Prevent Metabolic Dysregulation during a Repeating Pattern of Insufficient Sleep and Weekend Recovery Sleep. Current Biology 29(6): 957–967.
  10. Riemann D, Baglioni C, Bassetti C et al. (2017): European guideline for the diagnosis and treatment of insomnia. Journal of Sleep Research 26(6): 675–700.

Geschrieben von der Beealth-Redaktion auf Grundlage der oben genannten Quellen. Veröffentlicht am , zuletzt geprüft und aktualisiert am . Allgemeine Information – ersetzt keine ärztliche Beratung. So arbeiten wir

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