Ghrelin
Ghrelin wird vor allem in der Magenschleimhaut gebildet und ist der Gegenspieler von Leptin: Es steigt, wenn der Magen leer ist, meldet dem Gehirn „Zeit zu essen“ und fällt nach einer Mahlzeit wieder ab. Entdeckt wurde es 1999 in Japan; sein Name leitet sich von der indogermanischen Wurzel „ghre“ für „wachsen“ ab, denn es regt auch die Ausschüttung von Wachstumshormon an.
Ghrelin folgt einem erlernten Rhythmus. Wer täglich um 12 Uhr isst, dessen Ghrelinspiegel steigt kurz vorher an – der Magen knurrt aus Gewohnheit, nicht aus Not. Das ist eine gute Nachricht: Feste Mahlzeiten trainieren den Hunger auf verlässliche Zeiten, und ein paar Tage nach einer Umstellung passt sich das Hormon an.
Nach einer Gewichtsabnahme bleibt Ghrelin allerdings erhöht: In einer bekannten Studie (Cummings 2002) lag der Spiegel nach einer Diät rund ein Viertel über dem Ausgangswert. Der Körper wirbt sozusagen für die Rückkehr zum alten Gewicht. Wer das weiß, versteht, warum die Zeit nach der Abnahme mindestens so viel Aufmerksamkeit braucht wie die Abnahme selbst – und warum der Hunger dann kein Willensversagen ist.
Was Ghrelin im Alltag bremst: Eiweißreiche Mahlzeiten senken es stärker und länger als kohlenhydrat- oder fettreiche. Ballaststoffe und Volumen (Gemüse, Suppen) dehnen den Magen und dämpfen das Signal. Schlaf ist entscheidend: Nach zwei Nächten mit nur vier Stunden Schlaf lag Ghrelin in einer Studie um 28 Prozent höher und Leptin um 18 Prozent niedriger – Schlafmangel macht messbar hungriger, vor allem auf Süßes und Fettiges. Auch ein Glas Wasser und etwas Ablenkung überbrücken einen Ghrelin-Gipfel, bis er von allein abklingt.
Für Kinder gilt: Ihr Ghrelin funktioniert wunderbar – regelmäßige Familienmahlzeiten geben dem Hunger einen Takt, ständiges Snacken bringt ihn durcheinander.
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