Bewegung ist die beste Medizin, die es gibt – und die, die am häufigsten vergessen wird. Die Weltgesundheitsorganisation hat 2020 ihre Empfehlungen neu gefasst: Kinder und Jugendliche sollen sich 60 Minuten am Tag bewegen, Erwachsene 150 Minuten pro Woche moderat. Unser Bewegungs-Rechner macht daraus etwas Greifbares: Du trägst die Minuten der letzten sieben Tage ein, der Ring füllt sich, eine Ampel zeigt, wo ihr steht – und wenn Minuten fehlen, bekommst du Ideen, die in euren Alltag passen. Kein Vorwurf, sondern ein Wochenblick.
Die WHO-Empfehlungen nach Alter
| Alter | Bewegung | Dazu |
|---|---|---|
| 1–2 Jahre | 180 Minuten am Tag, jede Intensität | Möglichst wenig festgeschnallt sitzen, kein Bildschirm unter 2 Jahren |
| 3–4 Jahre | 180 Minuten am Tag, davon 60 Minuten schwungvoll | Bildschirmzeit höchstens 1 Stunde |
| 5–17 Jahre | 60 Minuten am Tag moderat bis intensiv | 3× pro Woche intensiv, Muskeln und Knochen stärken (Klettern, Springen) |
| 18–64 Jahre | 150–300 Minuten pro Woche moderat oder 75–150 intensiv | 2× pro Woche Kräftigung aller großen Muskelgruppen |
| ab 65 Jahren | wie Erwachsene | Plus 3× pro Woche Gleichgewicht und Kraft gegen Stürze |
Der Rechner beginnt mit 3 Jahren und zählt das Alter in vollendeten Jahren: Mit 4½ Jahren gilt noch das Ziel von 180 Minuten am Tag (jede Art von Bewegung zählt), ab dem 5. Geburtstag das von 60 Minuten.
„Moderat“ heißt: Du kannst dabei reden, aber nicht singen – zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen, Tanzen. „Intensiv“ heißt: Reden wird schwer – Joggen, Fußball, Seilspringen, Toben. Bei Kindern zählt jede Minute, in der sie außer Atem kommen: Fangen spielen ist Sport.
So rechnet der Rechner
Kinder 3–4: Wochenziel = 7 × 180 = 1.260 Minuten · Kinder 5–17: 7 × 60 = 420 Minuten · Erwachsene: 150 Minuten (moderat)Prozent = Summe der 7 Tage ÷ Wochenziel × 100Beispiel: 9-jähriges Kind, eingetragen 300 Minuten → 300 ÷ 420 = 71 Prozent, Ampel gelb, es fehlen 120 Minuten – zum Beispiel viermal 30 Minuten Radfahren zur Schule.
Wichtig: Der Rechner zählt jede eingetragene Minute gleich. Für Erwachsene gilt laut WHO: Intensive Minuten zählen doppelt – 75 Minuten Joggen entsprechen 150 Minuten zügigem Gehen. Trag intensive Minuten deshalb einfach doppelt ein.
Warum 60 Minuten für Kinder?
Bewegung im Kindesalter baut Knochen auf, die ein Leben lang tragen, trainiert Koordination und Gleichgewicht, fördert Konzentration und Schlaf und schützt vor Übergewicht. In Deutschland erreichen laut Robert Koch-Institut nur etwa ein Viertel der Kinder und Jugendlichen die WHO-Empfehlung – Mädchen seltener als Jungen, und mit dem Alter sinkt der Anteil. Die gute Nachricht: Die 60 Minuten müssen nicht am Stück sein. Schulweg zu Fuß (15 Minuten), Pausenhof (20 Minuten), Spielplatz oder Verein am Nachmittag (30 Minuten) – und das Ziel ist erreicht, ohne dass es „Sport“ heißt.
Ideen für die fehlenden Minuten
Der Rechner schlägt zu jeder Lücke bis zu vier passende Ideen vor – abgestimmt auf Alter und Größe der Lücke: Kleine Lücken füllt er mit kleinen Schritten, große mit längeren Blöcken; Kinder bekommen Spiel-Ideen, Erwachsene Alltags-Ideen. Ein Auszug: Rad statt Auto zur Schule oder Arbeit (20 Minuten, die größte Reserve im Alltag der meisten Familien), zu drei Lieblingsliedern tanzen (10 Minuten), Spaziergang nach dem Abendessen (20 Minuten, auch gut für den Blutzucker), Seilspringen oder Trampolin (10 Minuten, intensiv und knochenstark), eine Runde auf dem Spielplatz (30 Minuten), Treppe statt Aufzug, gemeinsam schwimmen gehen (45 Minuten) und für Erwachsene zügig zu Fuß einkaufen oder eine Stunde im Garten.
Was Familien damit anfangen können
Am besten funktioniert der Rechner als Wochenritual am Sonntag: Jeder trägt seine Woche ein, alle Ringe nebeneinander, und dann wird gemeinsam geplant, wo nächste Woche Minuten herkommen. Kinder lieben es, den Ring voll zu machen – und Eltern merken oft, dass ihr eigener Ring die meiste Aufmerksamkeit braucht. Bewegung, die Eltern vorleben, ist die einzige, die Kinder wirklich übernehmen.
Vier Tipps für mehr Bewegung als Familie
- Wege statt Trainings: Alle Wege unter 2 km zu Fuß oder mit dem Rad – das ist für die meisten Familien die größte Reserve.
- Bildschirm gegen Bewegung tauschen: Nicht verbieten, sondern koppeln: Nach 30 Minuten draußen gibt es 30 Minuten Bildschirm.
- Verein oder AG: Ein fester Termin pro Woche bringt Minuten, Freunde und einen Trainer, der etwas beibringt.
- Eltern zuerst: Kinder bewegen sich so viel wie ihre Eltern. Der eigene Ring ist der wichtigste.