Das Taille-zu-Größe-Verhältnis (englisch Waist-to-Height Ratio, kurz WHtR) beantwortet eine Frage, die der BMI nicht stellen kann: Wo sitzt das Fett? Fett am Bauch – rund um die inneren Organe – beeinflusst Stoffwechsel, Blutdruck und Blutfette deutlich stärker als Fett an Hüften, Po und Beinen. Der WHtR fängt genau das ein, mit einer einzigen Messung und einer Regel, die sich jeder merken kann: Halte deine Taille unter der Hälfte deiner Körpergröße.
Die Formel und ein Beispiel
WHtR = Taillenumfang (cm) ÷ Körpergröße (cm)Beispiel: Taille 80 cm bei 170 cm Größe → 80 ÷ 170 = 0,47. Das ist grün: Die Taille liegt unter der halben Größe.
Die Ampel
Diese Schwellen gehen auf die britische Ernährungswissenschaftlerin Margaret Ashwell zurück, die den WHtR seit den 1990er-Jahren erforscht. 2022 hat das britische Gesundheitsinstitut NICE die Regel „Taille unter halber Größe“ offiziell in seine Leitlinie aufgenommen – als Ergänzung zum BMI für alle Erwachsenen.
Warum der WHtR aussagekräftiger ist als der BMI
Der BMI setzt Gewicht und Größe ins Verhältnis, weiß aber nicht, woraus das Gewicht besteht und wo es sitzt. Eine Metaanalyse mit über 300.000 Menschen fand, dass der WHtR Herz-Kreislauf-Risiken und Typ-2-Diabetes besser vorhersagt als der BMI und als der Taillenumfang allein. Drei Gründe: Erstens misst er direkt das Bauchfett. Zweitens funktioniert er für Männer und Frauen mit derselben Schwelle. Drittens berücksichtigt er die Körpergröße – ein Taillenumfang von 90 cm bedeutet bei 160 cm Größe etwas anderes als bei 195 cm. Sportliche Menschen mit viel Muskelmasse, die der BMI fälschlich als übergewichtig einstuft, bekommen beim WHtR das richtige Ergebnis.
So misst du die Taille richtig
- Der richtige Ort: Die Mitte zwischen unterem Rippenbogen und oberem Beckenkamm – bei den meisten Menschen etwa auf Höhe des Bauchnabels.
- Die richtige Haltung: Aufrecht stehen, Füße hüftbreit, Arme locker. Normal ausatmen, den Bauch weder einziehen noch herausdrücken.
- Das richtige Band: Ein flexibles Maßband, waagerecht rundherum, direkt auf der Haut. Es soll anliegen, nicht einschnüren.
- Der richtige Zeitpunkt: Morgens vor dem Frühstück. Zweimal messen, Mittelwert nehmen – und immer unter gleichen Bedingungen.
Was Familien damit anfangen können
Der WHtR ist eine der wenigen Kennzahlen, die ab dem Grundschulalter grob anwendbar sind: Auch bei Kindern ab etwa 5 Jahren deutet ein Verhältnis ab 0,5 auf zu viel Bauchfett hin. Trotzdem gilt für Kinder: Die Einordnung gehört in die Hände der Kinderärztin oder des Kinderarztes, die den Wert im Zusammenhang mit Perzentilen, Wachstum und Entwicklung sehen. Für Eltern ist es hilfreich zu wissen, dass die Taille sich bei Kindern auch dann verbessert, wenn das Gewicht gleich bleibt und sie in die Höhe wachsen – „Herauswachsen“ ist bei Kindern ein echtes Konzept.
Was du gegen Bauchfett tun kannst
Bauchfett ist stoffwechselaktiv – das ist die schlechte und die gute Nachricht zugleich. Es wird als Erstes abgebaut, wenn du ins Defizit gehst. Am besten wirken drei Dinge zusammen: Ausdauerbewegung (zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen) an den meisten Tagen, Krafttraining zweimal pro Woche und weniger flüssiger Zucker (Limonaden, Säfte, gesüßte Kaffeegetränke). Auch Schlaf spielt eine Rolle: Wer regelmäßig unter 6 Stunden schläft, lagert mehr Fett am Bauch ein. Unser Aktivitäts-Rechner zeigt dir, welche Bewegung wie viel bringt.