Untergewicht
Von Untergewicht spricht die WHO bei Erwachsenen ab einem BMI unter 18,5 – bei Kindern und Jugendlichen zählt stattdessen die Gewichtskurve: unterhalb der 10. Perzentile für Alter und Geschlecht. Auf einer Plattform übers Abnehmen mag das überraschen, aber es ist wichtig: Wer untergewichtig ist, braucht kein Kaloriendefizit, sondern das Gegenteil.
Ursachen gibt es viele, und die meisten sind harmlos: eine zierliche Veranlagung, ein schneller Stoffwechsel, viel Sport, ein Wachstumsschub bei Jugendlichen, bei dem die Länge dem Gewicht vorauseilt. Ernst zu nehmen sind ungewollter Gewichtsverlust, anhaltende Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden oder eine Schilddrüsenüberfunktion – und immer die Frage, ob hinter dem niedrigen Gewicht eine Essstörung stehen könnte. Ein Besuch in der Haus- oder Kinderarztpraxis klärt das ohne Drama; bei Sorgen um eine Essstörung hilft auch das Beratungstelefon des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit, kurz BIÖG (früher BZgA), unter 0221 892031.
Warum Untergewicht nicht egal ist: Fehlen Energie und Nährstoffe, baut der Körper Muskeln und Knochenmasse ab, das Immunsystem wird anfälliger, bei Mädchen und Frauen kann die Regel ausbleiben, Kinder wachsen langsamer. Gesundes Zunehmen heißt deshalb nicht „irgendwas Fettiges“, sondern nährstoffreich und energiedicht: Nüsse, Nussmus, Avocado, Olivenöl, Haferflocken, Vollmilchprodukte, Hülsenfrüchte, Eier, Fisch – und regelmäßige Mahlzeiten plus zwei Zwischenmahlzeiten.
Ein Plus von 300 bis 500 kcal am Tag über dem Bedarf lässt das Gewicht langsam und stabil steigen – rechnerisch etwa ein bis zwei Kilo im Monat. Krafttraining sorgt dafür, dass daraus mehr Muskeln werden und nicht nur Fett. Ausdauersport darf bleiben, aber mit Maß.
Für Eltern: Kinder, die schlank sind, aber stetig entlang ihrer Perzentile wachsen, munter sind und gut essen, sind meist einfach schlank. Kommentare zum Körper („iss mal mehr“) helfen nicht; gemeinsame, entspannte Mahlzeiten schon. Bei Sorgen entscheidet die Wachstumskurve in der Kinderarztpraxis, nicht der Vergleich mit anderen Kindern.
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