Emotionales Essen
Emotionales Essen bedeutet, dass du isst, um ein Gefühl zu regulieren – nicht, weil dein Körper Energie braucht. Der Kuchen nach dem Streit, die Chips bei Langeweile, das Eis als Belohnung nach einem harten Tag. Fast jeder Mensch kennt das, und es ist nichts, wofür du dich schämen musst. Süßes und Fettiges sprechen das Belohnungssystem an und fühlen sich im Moment tröstlich an. Nur: In einer Studie aus den USA besserte sich die Stimmung nach einem traurigen Film mit Trostessen nicht schneller als mit anderem Essen oder ganz ohne – die Zeit tat die eigentliche Arbeit. Und oft kommt das Gefühl zurück, manchmal zusammen mit Schuldgefühlen.
Der erste Schritt ist, beide Hungerarten zu unterscheiden. Körperlicher Hunger entsteht langsam, sitzt im Bauch, ist offen für verschiedene Speisen und endet mit Sättigung. Emotionaler Hunger kommt meist plötzlich, sitzt eher im Kopf, verlangt etwas Bestimmtes und hört oft auch bei vollem Magen nicht auf. Eine einfache Frage hilft: „Würde ich jetzt auch einen Apfel essen?“ Wenn nein, ist es meist kein Hunger.
Der zweite Schritt ist, das Gefühl zu benennen, statt es wegzuessen. Müde, einsam, gestresst, gelangweilt, traurig? Jedes Gefühl hat ein passenderes Gegenmittel als Essen: ein Spaziergang, ein Anruf, ein warmes Bad, zehn Minuten Musik. Das geht nicht von heute auf morgen – ein Ernährungstagebuch mit einer Spalte für die Stimmung zeigt dir nach zwei Wochen die Muster.
Für Familien wichtig: Essen sollte weder Trost noch Belohnung noch Strafe sein. „Wenn du brav bist, gibt es Eis“ lehrt Kinder, Gefühle mit Essen zu verknüpfen. Tröste mit Zuwendung, belohne mit gemeinsamer Zeit. Wenn emotionales Essen regelmäßig in Essanfällen mit Kontrollverlust endet, sprich mit der Hausarztpraxis oder nutze die anonyme Telefonberatung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit, kurz BIÖG (früher BZgA), unter 0221 892031 – Hilfe zu holen ist ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche.
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