Selbstmitgefühl
Selbstmitgefühl bedeutet, dir in schwierigen Momenten mit derselben Wärme zu begegnen, die du einer guten Freundin schenken würdest – statt mit dem inneren Kritiker. Die Psychologin Kristin Neff beschreibt drei Bausteine: Freundlichkeit statt Selbstverurteilung, das Wissen, dass Scheitern zum Menschsein gehört, und Achtsamkeit, also das Gefühl wahrzunehmen, ohne darin zu versinken.
Viele glauben, Strenge mit sich selbst sei nötig, um durchzuhalten. Die Forschung spricht eher für das Gegenteil. Wer sich nach einem Ausrutscher beschimpft („Ich bin so undiszipliniert“), isst danach eher weiter, denn Scham weckt das Bedürfnis nach Trost. Wer sich stattdessen freundlich zuspricht („Das war ein harter Tag, morgen geht es weiter“), kehrt oft schneller zum Plan zurück. In einem Experiment an der Duke University in den USA (Adams und Leary, 2007) aßen Frauen, die sonst streng auf ihr Essen achteten, nach einem Donut weniger Süßigkeiten, wenn sie vorher einen kurzen, freundlichen Satz gehört hatten: Jeder isst mal etwas Ungeplantes, kein Grund, hart mit sich zu sein.
So übst du es: Wenn du dich ertappst, wie du mit dir schimpfst, frag dich, was du einer Freundin in derselben Situation sagen würdest – und sag genau das zu dir. Benenne das Gefühl („Ich bin gerade enttäuscht“) und erinnere dich, dass fast jeder Mensch beim Abnehmen Rückschläge erlebt. Leg eine Hand auf die Brust; das klingt seltsam, kann aber laut Studien die körperliche Stressreaktion dämpfen.
Selbstmitgefühl ist nicht Selbstmitleid und nicht Nachsicht – es ist die Basis, um überhaupt weiterzumachen. Für Familien gilt: Kinder lernen den Ton, den sie später mit sich selbst anschlagen, von dem, wie ihre Eltern über sich sprechen. Wer vor dem Spiegel über den eigenen Körper schimpft, gibt das weiter. Wer sagt „Mein Körper trägt mich jeden Tag, ich kümmere mich gut um ihn“, ebenfalls.
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